Leonie Schöller: Beklaute Frauen

Leonie Schöller

Beklaute Frauen

Habt ihr die Diskussion um Frauen in der Bundeswehr seit einigen Jahren mit verfolgt und die Annahmen, dass sie die Truppe schwächen würden, nicht durchhalten würden, alles verlangsamen würden?

Frauen kämpften gegen Franco zwischen 1936 und 1939, zusammengeschlossen im Verband Mujeres Libres, sie waren Scharfschützinnen, Zugführerinnen und mehr in der Roten Armee im 2. Weltkrieg, sie waren Agentinnen (nicht nur) für England und Frankreich und unter Tito bildeten sie mit den Männern gleichwertige Kampfeinheiten im jugoslawischen Partisanenkrieg gegen Deutschland.

Und trotzdem wissen wir heute kaum etwas über sie. Warum das so ist, das und mehr erfahren wir in „Beklaute Frauen“ von Leonie Schöller.

Ich habe mitgelitten mit den Geliebten von Bert Brecht, die so viel Recherche, Übersetzen, Anregen und Diskutieren übernahmen – und heute weitestgehend unbekannt sind. Dabei war es Elisabeth Hauptmann, die Beggar´s Opera von John Gay entdeckte, übersetzte und anregte – und nicht Brecht. Hauptmann steckt ebenfalls hinter der Kurzgeschichte „Bessie Soundso“, die den Grundstein zur „Heiligen Johanna der Schlachthöfe“ bildete.

Oder Francoise Gilot, ebenfalls Künstlerin und Geliebte von Picasso, die nach New York gehen musste nach der Trennung und gegen deren Memoiren er gerichtlich vorging- und verlor. Picasso hatte allen Pariser Galeristen gesagt, dass wenn sie Gilot ausstellen, sie nie wieder einen Picasso bekämen – und damit Erfolg. Bei ihrer ersten Begegnung war Francoise übrigens 21 – Picasso 62 und schon weltberühmt.

Lise Meitner, die mit ihren Berechnungen und Ergänzungen zur Kernspaltung aus dem schwedischen Exil heraus für die Bestätigung von Otto Hahns Gedanken sorgte, wird beim Nobelpreis für ihn nicht einmal genannt. Als man die Protokolle zur Beurteilung ihres Wirkens einsehen durfte in unserer Zeit, wurde unabhängig festgestellt, dass der Nobelpreis an beide hätte gehen müssen.

Von solchen Beispielen gibt es noch so viele mehr – wie in „The story of art without men“ von Katy Hessel ist auch „Beklaute Frauen“ eine großartige Sammlung voller Munition, warum wir immer noch den Feminismus und Aufarbeitung brauchen. Und sei es nur, um dem Zitat von Georg Baselitz entgegen zu treten „Frauen malen nicht sehr gut. Das ist ein Fakt.“, wie er es im Interview 2013 dem Spiegel sagte.

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